Viele Kleine können mehr als wenige Große

Bis vor kurzem hatte der Strom in unseren Netzen nur eine Richtung. Vom Kraftwerk zum Verbraucher. Durch die enorme Zunahme von dezentral erzeugtem Wind und Sonnenstrom im Netz stellen sich zukünftig ganz andere Anforderungen an die Verteilnetzbetreiber. An sonnen- und/oder windreichen Tagen fließt der Strom vom erzeugenden Verbraucher ins Netz.

Die Gesetzgebung hat darauf reagiert, indem sie dem Netzbetreiber erlaubt, die dezentralen Erzeugungsanlagen abzustellen oder zu drosseln, wenn sie das Netz zu überlasten drohen.

Aus unserer Sicht ist dies der falsche Weg. Die Netzbetreiber sollten vielmehr dazu verpflichtet werden, diesen regenerativ erzeugten Strom zu nutzen.

Um die Schwankungen der Stromerzeugung in den Verteilnetzen durch Sonne und Wind in Zukunft ausgleichen zu können, brauchen wir flexible Kraftwerke, die sich innerhalb von wenigen Minuten an- und abschalten lassen.

Die Diskussion geht derzeit um die Frage, ob dies zukünftig große Gas- und Dampf Kraftwerke (GuD)-Anlagen, oder viele kleinere BHKWs sein werden. Die Investoren bauen derzeit große GuD-Kraftwerke nur ungern, was sich nur ändern wird solange die zahlreichen vorhandenen Kohlekraftwerke noch betrieben werden und einen wirtschaftlichen Betrieb neuer Gaskraftwerke verhindern.

Eine Alternative liegt in zahlreichen mit Wärmespeichern versehenen Blockheizkraftwerken, die nach dem Bedarf und der regenerativen Erzeugung geregelt werden können. Man bezeichnet dies auch als Regel- oder Virtuelles Kraftwerk.

Das Zuhausekraftwerk vom Ökostromanbieter Lichtblick

Ein Pilotprojekt für ein virtuelles Kraftwerk ist das Zuhausekraftwerk des Ökostromanbieters Lichtblick zusammen mit Volkswagen. 

Laut Lichtblick sollen in den nächsten Jahren mehrere 10.000 BHKW mit VW-Erdgas-Motoren installiert werden. Zusammengeschaltet möchte Lichtblick so mit 100.000 BHKW mit einer elektrischen Leistung von 20 kW ein virtuelles Großkraftwerk von 2.000 Megawatt bauen. Ende 2011 sind nach Angaben der Fa. Lichtblick etwa 400 Anlagen in Betrieb gegangen.