Mit BHKWs zur 2000 Watt-Gesellschaft

2000 Watt für Alle!
– so der Grundgedanke der 2000 Watt-Gesellschaft.

Die Idee dabei ist, sein Leben so auszurichten, dass man nicht nur zukünftigen Generationen, sondern auch allen Erdenbürgern das gleiche Recht zur Nutzung der Ressourcen unseres „blauen Planeten“ einräumt.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff der „2000-Watt-Gesellschaft“? 

Im Jahr 1990 betrug der durchschnittliche Leistungsbedarf jedes Menschen auf der Erde etwa 2000 Watt (Primärenergieleistung). Im seit 1960 eingeführten Internationalen Einheitensystem steht Watt für die Leistung. Ein vielen vielleicht verständlicherer Begriff als die Leistung ist die Arbeit. Die Arbeit – oder auch Energie genannt – ist Leistung (Watt) mal Zeit. Das bedeutet, wenn im Jahr 1990 für jeden Menschen auf der Erde im Durchschnitt der primäre Leistungsaufwand bei 2000 Watt lag, so waren das in Arbeit beziehungsweise Energie umgerechnet 2000 Watt mal 24 Stunden mal 365 Tage (oder 2 Kilowatt mal 8760 Stunden) = 17.520 Kilowattstunden Primärenergie pro Einwohner und Jahr.

Was heißt Primärenergie?
Ein Beispiel aus dem täglichen Leben: Eine Glühbirne mit einer Leistung von 100 Watt brennt zehn Stunden. Die notwendige Energie hierzu beträgt also 100 Watt (0,1 Kilowatt) mal 10 Stunden = 1 Kilowattstunde (kWh). In diesem Beispiel haben wir jedoch nur die „Endenergie“ berechnet, also die Menge an Stromenergie, die die Glühbirne selbst in 10 Stunden benötigt. Bei der Erzeugung von Strom und dem Transport bis zur heimischen Steckdose gibt es aber in der Regel Verluste. Die Menge an Energie, die diese Verluste berücksichtigt, bezeichnet man als „Primärenergie“.

Um die Primärenergie zu bestimmen, errechnet man so genannte Primärenergiefaktoren. Im Fall des „deutschen Strommixes“ also der anteiligen Erzeugung des Stroms aus Kohle, Öl, Gas, Uran et cetera, beträgt dieser Faktor derzeit 2,7. Das bedeutet, dass die Primärenergie, die wir beim Betrieb einer 100 Watt-Glühbirne verbrauchen, etwa 100 Watt mal 10 Stunden mal 2,7 (Primärenergiefaktor) = 2,7 kWh beträgt.

Ziele des Konzepts „2000-Watt- Gesellschaft“
In Deutschland werden derzeit pro Einwohner durchschnittlich etwa 5411 Watt an Primärenergieleistung genutzt. In den USA liegen die Einwohner bei über 10.000 Watt, in vielen armen Ländern weit unter 500 Watt. Schweizer Wissenschaftler haben daraus Folgendes errechnet:

Wenn man allen Erdenbürgern den gleichen Energiebedarf zugestehen möchte und dabei aber auch noch das Klimaschutzziel „Maximale durchschnittliche Temperaturerwärmung auf der Erde um zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100“ erreichen (beziehungsweise nicht überschreiten) will, müssen wir alle:

  • unseren primären Energieleistungsbedarf auf maximal 2000 Watt begrenzen und
  • diese Energieleistung zu mindestens 75 Prozent regenerativ erzeugen.

Wie kann man das schaffen?
Schaut man sich an, auf welche Lebensbereiche sich die 6000 Watt im Durchschnitt aufteilen, so stellt man fest: etwa ein Viertel (1500 Watt) werden zum Wohnen (Strom, Heizung, Warmwasser) benötigt, ungefähr ein weiteres knappes Viertel für unsere individuelle Mobilität (Auto, Bus, Bahn, Flugzeug...). Die übrigen 50 Prozent verteilen sich auf unseren Konsum von Industrie- und Gewerbeprodukten, Dienstleistungen und den Güterverkehr. Beim Modell der 2000-Watt-Gesellschaft wären das also anteilig 500 Watt für Wohnen, 500 Watt für Mobilität und 1000 Watt für unseren restlichen Konsum.

Im Bereich individueller Mobilität unterschreitet man den Leistungsbedarf von 500 Watt vor allem dann, wenn man auf Flugreisen und ein eigenes Auto weitgehend verzichtet. Auch im Bereich des Konsums kann man seinen „persönlichen“ Leistungsbedarf kräftig reduzieren. So beispielsweise, indem man seinen Fleisch-, Milch und Käsekonsum reduziert, darauf achtet, tierische Erzeugnisse vor allem aus regionaler Produktion ohne Kraftfutter zu beziehen, saisonales Gemüse aus der Region bevorzugt, kaputte Geräte reparieren lässt und bei Neuanschaffungen auf langlebige Konsumgüter aus heimischer Produktion (Möbel, Kleidung ...) setzt.

Was man bereits beim Wohnen heute alles erreichen kann zeigt das Beispiel der Kleehäuser im Stadtteil Vauban in Freiburg, in dem die Bewohner im Jahr mit etwa 400 Watt Primärenergieleistung für das Wohnen (Wärme, Warmwasser und Strom) auskommen.

Bei der Energiebereitstellung spielt das BHKW im eigenen Keller dabei eine zentrale Rolle.

Nicht die „Green City Freiburg“, sondern Basel und Zürich haben bei der 2000 Watt-Gesellschaft die Nase vorn. Die Stadt Zürich ist die erste Stadt in der Schweiz, welche sogar darüber abstimmen ließ: im November 2008 beschloss die Stadtbevölkerung mit über 75 Prozent Ja-Stimmen, die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft in die Gemeindeordnung aufzunehmen.