Legionellen durch Kühltürme?

Bei französischen Untersuchungen aus dem Jahr 2004 wurde in mehreren Fällen Legionellenerkrankungen auf Kühltürme zurückgeführt (Lyon, Pas de Calais). In über 10 Fällen führte die Krankheit zum Tod. In der Folge wurden Richtwerte für die Legionellen-Belastungen durch industrielle Kühltürme erlassen. In diesem Zusammenhang wurde die Agence Française de Sécurité Sanitaire de l‘Environnement (AFSSET) vom Umwelt-, Industrie und Gesundheitsministerium beauftragt, die von der DGSNR (Aufsichtsbehörde Atomkraft) an die Électricité de France (EDF) gestellte Forderung der Einhaltung von Belastungswerten zu überprüfen. Demnach soll EDF Vorsorgemaßnahmen treffen, um die Konzentration im Kühlwasser unter  5*106 UFC/l (koloniebildende Keime pro Liter) zu halten (5*105 UFC/l für Kraftwerk Chinon). Bei den industriellen Kühltürmen liegen die Werte bei 103 UFC/l, bei Werten zwischen103 und 105 muss der Betreiber Reinigungsmaßnahmen durchführen, bei Überschreitung von 105 muss die Anlage gestoppt werden. EDF argumentierte, dass durch die hohen Türme die Ausbreitung des Wasserdampfes bzw. der  Bakterien nicht mit den niedrigeren Industrietürmen verglichen werden kann. Die Experten der AFSSET konnten jedoch mit dem gleichen Modell nachweisen, dass dies nur für die unmittelbare Nähe der Anlage gilt, nicht jedoch bei größeren Entfernungen (insbesondere über 3 km).

Fazit der Studie: EDF kann nicht nachweisen, dass kein Risiko besteht. Die Bundesrepublik schätzt die Gesundheitsgefährdung durch Legionellen aus Kühltürmen für die deutsche Bevölkerung als äußerst gering ein (BT-Drucksache 16/7601).

Inzwischen haben sich weitere folgenschwere Legionelleninfektionen mit Toten und zahlreichen Erkrankten ereignet. In allen Fällen waren so genannte offene Rückkühlwerke die Ursache der Infektionen. Solche Kühlanlagen erzeugen Wasserdampf und dessen warme Wassertröpfchen gelten als idealer Hort für stäbchenförmige Bakterien, die Legionellen. Werden die Tröpfchen eingeatmet, kommt es - je nach Immunsystem des Betroffenen - zu Infektionen, die von grippeartigen Symptomen ("Pontiac-Fieber") bis zu schweren Lungenentzündungen ("Legionärskrankheit") reichen.

Bei einem Ausbruch 2010 in Ulm sind 64 Menschen schwer erkrankt und 5 starben. Die Ursache war seinerzeit eine im Probebetrieb laufende Rückkühlanlage auf dem Ulmer Telekom-Gebäude.