Berechnung der Kohlendioxidemissionen

Die ökologische Bewertung der Kraft-Wärme-Kopplung erfolgt in der Praxis oft auf Basis der sog. Stromgutschriftenmethode. Hierbei wird der Brennstoffeinsatz der Wärme zugeordnet. Davon abgezogen wird der Brennstoffeinsatz, der nötig gewesen wäre um das gekoppelte Produkt (Strom) alternativ in einem ungekoppelten Prozess zu erzeugen.

Je nach Konzeptansatz wurden jedoch auch spezifische Emissionen für BHKW’s gewählt. Hierbei wird in Energiekonzepten oft nicht erläutert wie die spezifischen Emissionskennwerte ermittelt wurden. Die ökologische Qualität eines BHKW wird entscheidend dadurch geprägt, welcher Ansatz für den verdrängten Strom gewählt wird.

Bisher wurde in vielen Konzepten der Ansatz gewählt, dass der erzeugte Strom deutschen Strommix verdrängt. Dieser Ansatz ist aus unserer Sicht aus folgenden Gründen ungeeignet:

Der bundesdeutsche Strommix weist inzwischen einen Anteil von mehr als 25% erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, …) auf. Der Einsatz von BHKW’s hat nicht zum Ziel diesen Anteil der Erneuerbaren zu verdrängen, sondern viel mehr deren Ausbau zu unterstützen. Nach unserer Ansicht müssen jene Stromerzeuger verdrängt werden, die ökologisch bedenklich sind (Kernenergie, Steinkohle, Braunkohle, Heizöl). Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass der Strom ausschließlich von regenerativen Energieerzeugern bereit gestellt wird, dann müssen in diesem Fall auch die erdgasbetriebenen BHKW’s ausgeschaltet werden.

Die Kennwerte für Bundes-Strom-Mix haben sich seit 1990 durch den höheren Anteil der Erneuerbaren von über 750 g/kWh auf derzeit etwa 570 g/kWh Strom Kohlendioxid reduziert. Die Kennwerte für Strommix müssen somit jährlich angepasst werden (vgl. UBA 2015).

Grundsätzlich ist zu beachten, dass eine Bewertung des Strommixes immer auch die Netzverluste bis zum Endverbraucher beinhalten sollte. Die fehlende Berücksichtigung der Stromverteilung führt zu Bilanzierungsfehlern von ca. 5%. 

Es wird nicht berücksichtigt welches Kraftwerk durch den Einsatz eines BHKW’s tatsächlich abgeschaltet wird. Darüberhinaus sind unseres Erachtens die aktuellen politischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Hier insbesondere der bundesweite Ausstieg aus der Atomenergie sowie das Klimaschutzziel der Bundesregierung mit dem Ziel der Abschaltung von Kohlekraftwerken.

Nach unserer Ansicht ist daher ein sogenannter Verdrängungsmix zu ermitteln, der die o.g. Kritikpunkte berücksichtigt. Abb. 1 zeigt die großen Unterschiede bei der Emissionsbetrachtung der beiden Methoden (aus Prognos AG 2011,Abbildung 8-3).

Prognose der Emissionsfaktoren nach dem Verdrängngsmix der KWK-Stromerzeugung bis zum Jahr 2050 in g/kWh vgl. auch Prognos et al. 2014, Tab. 46, S. 153). Um die Bewertung für die nächsten 10 Jahre zu vereinfachen schlagen wir vor, bis auf weiteres, für KWK-Anlagen einen durchschnittlichen Verdrängungsmix von 750 g/kWh zu veranschlagen.